Sonntagsgedanken vom 25. Oktober 2020

Landschaft
Bildrechte: Gräfin Praschma

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr
von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.                
Micha 6, 8

Liebe Gemeinde,


derzeit werden wir mit Gesetzen und Verboten reichlich überschüttet. Was ist noch erlaubt oder inzwischen verboten? Am heutigen Sonntag geht es um Gottes gute Gebote im Evangelium nach Markus (2,23-28)

Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?
Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren:  wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die nie8   n 8  mand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren?
Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn HERR auch über den Sabbat.

Hier prallen religiöse Anschauungen über Gottes Gebote aufeinander.

Die Pharisäer waren eine theologische, philosophische und politische Schule im antiken Judentum. Sie gaben also damals in religiösen Fragen unter den Juden den Ton an. Die Pharisäer beachteten vor allem die Gebote aus den fünf Büchern Mose auf das Genaueste.

Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenden Tage ist der Sabbat des HERRN deines Gottes, da sollst du keine Arbeit tun.

Nicht nur damals sondern heute noch wird das Sabbatgebot von Orthodoxen Juden starkbeachtet: Jedwede Arbeit, Kochen, Briefe schreiben und Bedienen von Maschinen ist ihnen religiös untersagt. Ich erinnere mich daran, wie darüber diskutiert wurde, ob man am Sabbat Aufzug fahren darf, weil man dann Finger heben und den Knopf drücken musste. Deshalb ist schon das Ährenausraufen am Sabbat für sie ein Verstoß gegen das göttliche Gesetz.

Wie geht Jesus mit dem kleinlichen Vorwurf der Pharisäer um?

Er verweist darauf, dass die Jünger Hunger hatten. Schließlich ist Jesus mit den Jüngern dauernd in Galiläa und am See Genezareth unterwegs. Sie haben keine feste Bleibe und auch keine festen Mahlzeiten. Jesus ist unterwegs, um den Menschen zu predigen und die über das Wort Gottes aufzuklären. Er berichtet ihnen von Gottes Reich und wie sie dorthin zum ewigen Leben gelangen können. Unterwegs heilt er Kranke, macht Blinde sehend, Stumme können wieder sprechen, Taube wieder hören. Wenn Jesus und seine Jünger nicht in einem Haus oder einer Gemeinde aufgenommen werden, so sind sie gemeinsam unterwegs und müssen sehen, wie sie satt werden.

Jesus gibt dem Sabbat eine völlig neue Bedeutung, wenn er sagt: der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht. Er preist ihn als das Geschenk eines menschenfreundlichen Gottes. Gott will, dass es dem Menschen gut geht, dass wir diesen Tag der Ruhe genießen können.

Jesus Auslegung des Sabbats bedeutet aber mitnichten, dass nun die durch Mose überlieferten Gesetze nicht mehr gelten. Dies befürchten gerade die Pharisäer. Jesus ist aber nicht gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, sondern um das Gesetz zu erfüllen, wie er selbst über sich in der Bergpredigt bei Matthäus sagt. Er lobt folglich diejenigen, die Gottes Gebote weitergeben und sich selbst danach richten. Er selbst ist als Sohn Gottes und unser Herr auch der Herr über den Sabbat.

Liebe Gemeinde, wir Christen feiern seit der Auferstehung Jesu Christi am 1. Tag der Woche den Sonntag als Tag des Herrn statt des Sabbats. Wenn wir den Sonntag als Geschenk Gottes für uns begreifen, hat er für uns auch heute eine tiefe Bedeutung. Es ist der Tag,

  • an dem wir zur Ruhe kommen können, an dem keine sonst übliche Hektik herrscht
  • an dem wir selbst und nicht andere bestimmen, was wir tun,
  • an dem wir mit Familie und Freunden zusammenkommen können,
  • an dem wir über uns und unser Leben nachdenken können,
  • an dem auch Gott durch den Gottesdienst seinen festen Platz in unserem Leben Heilige Abendmahl,
  • an dem unsere Seele gesund wird!

Liebe Gemeinde, wir brauchen den Sonntag nicht nur zum Ausspannen, zum Abschalten, für eine körperliche Pause, für schöne Erlebnisse, für die wir sonst keine Zeit haben. Wir brauchen diesen Tag zur Besinnung auf das, was wirklich wichtig ist in unserem Leben. Das können wir vor allem im Gottesdienst, wenn wir uns vertiefen, uns erinnern,

  • was Jesus für uns getan hat,
  • dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist,
  • dass er uns erlöst hat durch seinen Tod am Kreuz,
  • dass seine Gebote uns eine wichtige Hilfe für ein gelingendes Leben in der Familie, der Schule, an der Arbeitsstelle, im Verein, in einer Partei, in der Kirchengemeinde sind,
  • dass er uns unsere Sünden vergibt,
  • dass er uns heilt und erquickt in aller Not und Sorgen,
  • dass er bei uns ist, alle Tage unseres Lebens bis ans Ende der Welt,
  • dass er uns zur Auferstehung in Gottes ewigem Reich führt.

Darum brauchen wir nur im Gebet zu bitten.

Herr, ich warte auf dich – erwartungsvoll.
Du kommst auf mich zu und ich lasse mich von dir tragen.
Ich beginne die Reise nach innen,
ich reise in mich hinein
zum innersten Punkt meines Seins, wo du wohnst.
An diesem tiefsten Punkt meines Wesens
bist du immer schon vor mir da,
schaffst, belebst, stärkst ohne Unterlass meine ganze Person.
Amen

(Dag Hammarskjöld, zitiert nach dem Sonntagsblatt Nr. 43)