Sonntagsgedanken für den 26. April 2020

Hirte
Bildrechte: Bild von Free-Photos auf Pixabay

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,

„Eigentlich, wäre, hätte, könnte, normalerweise, aber.“

Das sind Worte, die gerade ständig zu hören sind. Und ich brauche sie heute auch: Denn eigentlich hätten wir heute normalerweise Konfirmation gefeiert. Aber nun mussten wir dieses Fest verschieben.

Schon so manchen Plan hat die Pandemie über Board geworfen. Aber in der Unsicherheit, in der Trauer um abgesagte Feste und Urlaube, im Ärger über die Umstände, in der Angst vor der Zukunft, da gibt es eine Sache, die wird sich niemals ändern: Gott ist bei uns.

Das zeigt uns auch das Bild, das Thema des heutigen Sonntags ist: Gott als guter Hirte.

Im Evangelium für den heutigen Sonntag heißt es:

Jesus Christus spricht:

»Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte ist bereit, für die Schafe zu sterben.

Anders ist das bei einem, der die Schafe nur für Geld hütet. Er ist kein Hirte und die Schafe gehören ihm nicht: Wenn er den Wolf kommen sieht, lässt er die Schafe im Stich und läuft weg. Und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und jagt die Herde auseinander. Denn so ein Mensch hütet die Schafe nur für Geld und die Schafe sind ihm gleichgültig.

Ich bin der gute Hirte. Ich kenne die, die zu mir gehören, und sie kennen mich.“ (Basisbibel; Joh 10, 11-14)

 

Gott ist bei mir, wie ein Hirte für seine Schafe da ist. Ich bin also ein Schaf. Was kann man mit diesem Bild anfangen?

Vielleicht kennst du das Gefühl, manchmal nicht zu wissen, wo Du hingehörst. Du fragst dich: Wo ist mein Zuhause? Wieso ist mir meine Familie manchmal fremd? Zu welcher Clique gehöre ich?

Wir geben uns oft viel Mühe dazuzugehören. Anderen zu gefallen. Bei mir selbst beobachte ich manchmal: Wenn ich irgendwo dazu gehören will, dann fange ich an, mich zu verbiegen. Dann tue ich alles mögliche, damit die Anderen mich mögen. Allzu oft verliere ich mich selbst dabei aus den Augen. Dann bin ich nicht mehr ich.

Schafe hingegen wissen immer, wo sie hingehören. Sie kennen die Stimme ihres Hirten, kennen ihre Herde, ihre Clique.

Jesus, der Hirte, sagt uns:

Du gehörst zu mir. Ich kenne Dich. Du liegst mir am Herzen. Und weil Du sicher zu mir gehörst, musst Du niemals fürchten nirgendwo dazuzugehören. Deshalb musst Du Dich auch nicht verstellen. Bei mir kannst Du lernen, Du selbst zu sein. Und Du wirst sehen: Du wirst Menschen finden, zu denen Du passt. So, wie Du bist.

Wenn ich mir Gott als meinen Hirten vorstelle, dann ist das eine Erinnerung daran, wo ich hingehöre: zu ihm. Jesus als meinen Hirten zu haben, befreit mich davon, Anderen krampfhaft gefallen zu wollen.

 

Und noch etwas Anderes finde ich wichtig an dem Hirten-bild.

Es zeigt: Jesus Christus ist ein Hirte, der Verantwortung übernimmt. Er drückt sich nicht vor der Aufgabe für seine Schafe zu sorgen und ihnen in Gefahr beizustehen. Wenn er davon spricht, dass er bereit ist für seine Schafe zu sterben, dann sagt er uns damit: Ich will für Dich einstehen.

Karfreitag und Ostern liegen gerade hinter uns. Sie haben uns daran erinnert, dass Jesus Verantwortung bis in den Tod übernimmt. Er geht in den Tod, um uns in unserem Leiden und Sterben nicht allein zu lassen und uns ins Leben zu führen.

Jesus ist ein Hirte, der Verantwortung übernimmt. Deshalb muss ich auch kein dummes Schaf sein, dass zu allem klaglos sein „Ja und Amen“ gibt. Nein, auch meine Klagen, meine Anfragen und meine Zweifel sind bei Jesus gut aufgehoben.

Bei Gott, im Gebet, da kann ich alles loswerden, was mir auf dem Herzen liegt.

Martin Luther soll einmal gesagt haben: „Beten heißt: Gott den Sack vor die Füße werfen.“

Wenn ich Gott so einen Sack voller Missmut und Klagen hinwerfe, dann wird es in meinem Herzen leichter. Da spüre ich: Gott ist bei mir, er weiß sich für mich verantwortlich und nimmt mir Lasten ab. Da spüre ich: „Der Herr ist mein Hirte.“

So beginnt Psalm 23. Er ist ein Gebet voller Hoffnung und Sehnsucht nach einem Leben in Fülle. Es sind Worte voller Vertrauen auf Gott, unseren Hirten. Worte die Mut machen und stärken.


Die Konfirmandinnen und Konfirmanden haben heute einen Brief von uns bekommen. Darin heißt es: „Konfirmation heißt nicht nur, dass Du deinen Glauben vor der Gemeinde bestätigst. Konfirmation heißt auch, dass Gott Dich stärken möchte. Er will Dir Kraft und Hoffnung schenken, um schwere Zeiten durchzustehen.“

In diesem Sinne wünsche ich uns allen heute einen gesegneten Konfirmationssonntag!

Eure und Ihre Vikarin Hannah Rößner

 

Psalm 23

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Amen.

 

Fürbitte

Jesus Christus,

voller Hoffnung auf Deine Fürsorge und Hilfe erinnern wir uns an Dich als den guten Hirten.

Wir bitten Dich: Sei bei allen Jugendlichen in unserer Gemeinde. Begleite sie auf ihrem Weg. Stärke sie mit deiner Liebe, dass sie sich selbst und Andere lieben können.

Amen.


Vaterunser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segensbitte

Mögen sich die Wege vor Deinen Füßen ebnen,
mögest Du den Wind im Rücken haben,
möge warm die Sonne Dein Gesicht bescheinen,
Regen sanft auf Deine Felder fallen.

Und bis wir uns wiedersehen,
möge Gott seine schützende Hand über Dir halten.

Amen. 

 

Jesus Christus als der gute Hirte - dieses Bild gehört zum zweiten Sonntag nach Ostern, an dem wir eigentlich unsere Jugendlichen konfirmiert hätten. 
Pfarrerin Susanne Munzert, Vikarin Hannah Rößner und Konfi-Tutor Luca drehten zu diesem Anlass eine Videoandacht.
Vielen Dank an Diakon Jonas Stahl für den Dreh und Schnitt.

 

Passend zur Andacht haben wir euch ein paar Lieder zusammen gestellt:

Könige & Priester: Der Himmel leuchtet: https://www.youtube.com/watch?v=ZSLCOjwgCZI&list=RDA95cO6QnSLk&index=2

Könige & Priester: In deinem Haus: https://www.youtube.com/watch?v=A95cO6QnSLk

Thea Eichholz: Wohin sonst? https://www.youtube.com/watch?v=acTug3Mp4LQ

Casting Crowns: Who Am I? https://www.youtube.com/watch?v=3rT8Re1EIQc&list=RDEMQj1lN6as9s-cWPAufoyXiQ&index=9

Adina Mitchell: Bleib dir treu https://www.youtube.com/watch?v=0aAOjYuksJM&list=RDA95cO6QnSLk&index=21

Lothar Kosse: Wunderbarer Hirt https://www.youtube.com/watch?v=Zvl-pY3vyuY

Mögen sich die Wege (KAA 0108) https://www.youtube.com/watch?v=Y2-6hKnf_9g