Sonntagsgedanken

Palmblatt
Bildrechte: Michael Gaida auf Pixabay

Jesus wird gesalbt
Jesus war in Betanien. Er war zu Gast bei Simon, dem Aussätzigen. Als er sich zum Essen niedergelassen hatte, kam eine Frau herein. Sie hatte ein Fläschchen mit Salböl dabei. Es war reines kostbares Nardenöl. Sie brach das Fläschchen auf und träufelte Jesus das Salböl auf den Kopf.
Einige ärgerten sich darüber und sagten zueinander: »Wozu verschwendet sie das Salböl? Das Salböl war mehr als dreihundert Silberstücke wert. Man hätte es verkaufen können und das Geld den Armen geben.« Sie überschütteten die Frau mit Vorwürfen.

Aber Jesus sagte: »Lasst sie doch! Warum macht ihr der Frau das Leben schwer? Sie hat etwas Gutes an mir getan. Es wird immer Arme bei euch geben, und ihr könnt ihnen helfen, sooft ihr wollt. Aber mich habt ihr nicht für immer bei euch.
Die Frau hat getan, was sie konnte: Sie hat meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt.
Amen, das sage ich euch: Überall in der Welt, wo die Gute Nachricht weitergesagt wird, wird auch erzählt werden, was sie getan hat. So wird man sich immer an sie erinnern.«
Markus 14, 3-9

Eine Geschichte, die berührt und wo berührt wird – mitten in Zeiten von Corona.
Erinnerungen aus dem Februar scheinen inzwischen aus einer anderen Welt zu kommen. Wir sehen Bilder von uns, wo wir uns völlig ungezwungen treffen, uns zur Begrüßung vielleicht sogar umarmen.
Jetzt heißt es: „Achtung, Berührung gefährlich!“
Ich vermisse sie schmerzlich: Die selbstverständliche Zuwendung und Berührung durch andere beim Händeschütteln oder bei der Umarmung.

Auch Jesus scheint Berührung zu brauchen, genießt es, berührt zu werden. Eine Frau kommt einfach ins Haus, geht zu Jesus und träufelt kostbarstes Öl über Jesu Haar.
Darf man das - Gottes Sohn so einfach berühren?
Und auch noch so verschwenderisch dabei sein?
Das Nardenöl, mit dem die Frau den Körper Jesu salbt, hatte damals immerhin den Gegenwert des Jahreslohns eines einfachen Arbeiters.
Die anderen im Raum reagieren jedenfalls empört: „Woanders hungern die Menschen und diese Frau wirft das Geld sinnlos zum Fenster raus.“

Doch Jesus widerspricht. Ihm ist diese Berührung der Frau offensichtlich kostbar.
Es wird immer Arme bei euch geben, und ihr könnt ihnen helfen, sooft ihr wollt. Aber mich habt ihr nicht für immer bei euch.
Die Frau hat gespürt, dass Jesus genau jetzt ihre Berührung braucht. Jetzt ist der Zeitpunkt, ihm etwas Gutes zu tun.
Niemand kann im Moment sicher sagen, wie die Corona-Krise richtig zu bewältigen ist. Aber viele packen trotzdem mit an, geben ihr Bestes, in der Hoffnung, dass alle gut durchkommen. Jetzt ist die Zeit, zu tun, was dran ist.
Und das ist für die namenlose Frau dran: Jesus zu salben.
Jesus ist ihr wichtig und ihm will sie jetzt Gutes tun.
Und: Die Frau hat getan, was sie konnte:
Ja, was konnte sie denn? Sie war – so erzählen es die anderen Evangelien – eine Prostituierte. Körperliche Nähe war ihr Geschäft. Sie tut ihm damit Gutes, was sie kann: Sie berührt und salbt Jesus. Und Jesus genießt es. 
Mir macht das Mut: Jesus verlangt nichts von mir, was meine Möglichkeiten übersteigt. 

Die Frau hatte reines, unverfälschtes Öl dabei.
Echtheit und Ehrlichkeit ist im Umgang mit Jesus gefragt. Ich darf sein wie ich bin, ohne mich verstellen zu müssen.
Wenn ich für jemanden einkaufen gehen kann – gut!
Wenn ich ein Gebet sprechen kann – gut!
Wenn ich jemanden anrufen kann – auch gut!
Doch echt soll es sein, wenn ich Jesus oder meinen Mitmenschen Gutes tun will.

Die Frau hat meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt.
Im Orient wurde der Leichnam nach einer intensiven Reinigung einbalsamiert, bevor dieser dann in ein Felsengrab gelegt wurde. Diese Salbung war die höchste Liebe und Ehre, die man einem Menschen erweisen konnte. Es ist in vielen Religionen wichtig, den Verstorbenen auch körperlich noch zu pflegen, zu waschen, anzukleiden.
Schlimm, wenn man das jetzt nicht mehr kann, weil die Gefahr der Infektion zu groß ist. 
Kurz vor dem letzten Abendessen mit Jesus salbt die Frau Jesus. Er weiß: Das ist meine Totensalbung, ich werde bald sterben.
Wohl ohne es zu wissen, hat die Frau Jesus zum messianischen König gesalbt. Eine Art König, ganz anders als sich ihn viele gewünscht oder vorgestellt hatten: Der für die Welt sichtbare Thron dieses Messias wird das Kreuz sein und seine Krone wird als Dornenkrone auf sein Haupt gesetzt.
Langsam wird mir klar, wie großartig das ist, was die Frau für Jesus getan hat. So großartig, dass überall in der Welt, wo die Gute Nachricht weitergesagt wird, auch erzählt werden wird, was sie getan hat. 
Vielleicht hat diese liebevolle Berührung der Frau Jesus die Kraft gegeben, seinen Weg in den Tod am Kreuz zu gehen? Wer weiß?!
Ganz sicher aber ist diese Liebestat der Frau ein Beispiel dafür, was Evangelium bedeutet: Nicht Worte zählen, nicht der erhobene Zeigefinger, der mahnt: >Du musst …, du solltest …, als Christ/Christin tut man...!<
Es zählt die Tat, die liebevoll den andern sucht und der andern nahekommt. Das ist Evangelium!
Darum soll man immer von der Frau sprechen.

Und am Ende werden wir selbst berührt werden von Gott:
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang. (Psalm 23, 5+6)

Fürbittengebet
Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, 
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe. 
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Vaterunser
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Bitte um Segen
Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Herzliche Grüße, Ihre Pfarrerin Susanne Munzert