Gedanken zum 2. Sonntag nach Trinitatis am 21.06.2020

Christus spricht:
Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und
beladen seid; ich will euch erquicken.
Matthäus 11, 28

 

Matthäus 11, 25-30
Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.
Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

 

Der Weg in das Himmelsreich
Alles Wissen und alle Erkenntnis gelehrter Theologen, Philosophen, Denker und Wissenschaftler helfen nicht, Gott zu erkennen und ihm zu glauben und zu vertrauen.  Wer Gott erkennen will, muss bei den Kindern in die Schule gehen und bei den Ein¬fältigen: Sie sind mit schlichter Hoffnung und fröhlicher Erwartung ganz einfach offen für all das Gute, was Gott ihnen schenken will. Dafür lobt Jesus Christus im ersten Teil Gott, seinen Vater, der dies nur den Menschen vorbehalten hat, die sich einen kindlichen Glauben bewahren. Nur wenn wir werden wie die Kinder, werden wir in das Himmelreich kommen, so lautet die Botschaft an uns. Egal, wie gebildet oder intelligent wir sind, vor Gott sind wir allesamt unwissend und unmündig. Darum sind wir darauf angewiesen, dass Gott zu uns spricht.

Hatte Jesus im ersten Teil Gott für die Unmündigen gelobt, so lehrt Jesus hier im zweiten Teil über die Un¬wissenden. Niemand kennt Gott den Vater; niemand hat ihn jemals in seiner voll¬ständigen Gestalt und Herrlich¬keit gesehen; niemand kann all seine Eigen¬schaften be¬schreiben; niemand kann seine Werke und Wege verstehen; niemand kann sich zu ihm auf¬schwingen durch Meditation oder Ekstase, durch Opfer oder Gebet, durch Stille oder durch lauten Jubel. Und dasselbe gilt für den Sohn.
Es gibt nur eine einzige Möglichkeit für wahre Gottes¬erkenntnis, und ebenso für die rechte Christus-Erkenntnis: dass Gott selbst sich uns vorstellt und wir das mit kindlichem Glauben einfach annehmen. Diesen Vorgang nennt man „Offen¬barung“.

Jesus hat es getan mit Worten und Werken in seinen Erdentagen; wie es im Evangelium nachzulesen ist. So dürfen wir dankbar erkennen, dass Gott zwar zürnen und strafen kann, dass seine Liebe aber unendlich viel größer ist als sein Zorn. So dürfen wir staunend erleben, dass wir den himmlischen Vater in seinem Sohn Jesus Christus finden können. Und so dürfen wir verlässlich wissen, dass unsere Sünde uns nicht auf ewig von ihm trennt, sondern dass er sie uns vergibt, wenn wir von unseren verkehrten Wegen umkehren und Jesus vertrauen.

Im dritten Teil folgt Jesu Einladung: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Und er verspricht als Folge, dass wir Ruhe finden. Diese Ruhe bedeutet Frieden und Geborgenheit, eine Seelenpause.

Ich muss mir und anderen nicht mehr beweisen, was ich für ein toller Kerl oder für eine schöne und erfolgreiche Frau bin. Am allerwenigsten muss ich das Gott beweisen, denn er nimmt mich Mühseligen und Beladenen, mich Erschöpften und Belasteten durch Jesus an. Gott kennt mich, durch und durch, mit allen Fehlern, Schwächen, mit meinen guten und meinen bösen Gedanken.  Ja, bei Gott brauche ich mir nichts zu verdienen und kann mir auch gar nichts verdienen. Denn er liebt mich, ganz egal, was mit mir ist. Wohl dem, der erkennt, gerade auch unter den Tüchtigen, wie erschöpft und belastet er vor Gottes Angesicht dasteht um seiner Sünde willen! Wohl dem, der von sich sagen kann: „Ich armer, elender, sündiger Mensch!“ Denn Jesus ist für alle Menschen da, die seine Einladung annehmen.

Nun ist es freilich nicht so, dass Jesus uns bei sich einfach nur passiv sein und ausruhen lässt. Jesus fordert uns durchaus und hat Er¬wartungen. Jesus mutet uns auch neue Belastungen zu, andere Be¬lastungen, das Kreuz der Nachfolge zum Beispiel. Er erwartet, dass wir von ihm lernen, aus seinen Worten und Geboten, z.B. dass wir unseren Nächsten lieben sollen, damit unser Leben gelingen kann. Aber die Ruhe für die Seele können uns diese Belastungen nicht rauben. Es ist ja eine sanfte Last – nicht so schwer, dass wir darunter zusammen¬brechen müssten. Jesus hat in seiner Einladung gesagt: „Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ Amen

 

Psalm 36

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes
und dein Recht wie die große Tiefe.
Herr, du hilfst Menschen und Tieren.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott,
dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel
Zuflucht haben!
Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
und du tränkst sie mit Wonne wie in einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
in deinem Lichte sehen wir das Licht.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn
Und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, so auch
jetzt und allezeit
und in Ewigkeit.
Amen