Gedanken zum Sonntag Exaudi am 24.05.2020

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde,
so will ich alle zu mir ziehen
Johannes 12, 32

Jeremia 31, 31-34
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.
Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

 

Der neue Bund
In dieser Zeit im Kirchenjahr befinden wir uns zwischen Baum und Borke:
Unser Herr Jesus Christus ist aufgefahren zum Vater. Doch wir sind noch hier, auf der Erde, und der Heilige Geist, der uns tröstet, der uns den Glauben schenkt, der uns unsere Gaben gibt, der uns Kraft verleiht, uns untereinander verbindet, der ist noch nicht unter uns.
Der heutige Sonntag hat den Namen Exaudi. Exaudi bedeutet: Höre, Herr!
Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten rufen wir zu Gott und erwarten, dass er unsere Bitten erhört: wir rufen zu ihm, dass er in unser Leben kommt und uns mit seinem Geist begleitet.

Da hören wir bei Jeremia von dem neuen Bund. Da frage wir uns zunächst: gab es denn einen alten Bund? Ja, es gab schon zweimal einen Bund, den Gott mit den Menschen geschlossen hat. Der erste war vor Urzeiten mit Noah nach der Sintflut. Gott versprach: Ich richte meinen Bund so mit euch auf, dass […] hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe. Und der Regenbogen wurde zum Zeichen dieses Versprechens.
Den zweiten Bund schloss Gott mit Moses viele Jahrhunderte später, nach-dem er sein Volk Israel aus der ägyptischen Knechtschaft geführt hatte. Gott ließ Mose auf den Berg Sinai steigen. Er gab ihm dort oben die Zehn Gebote. Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern. Doch das Volk Israel gehorchte den Geboten nicht und hielt sich nicht zu Gott, obwohl sie von seinen Propheten gewarnt waren. Und so kam es viele Jahrhunderte später, dass der König von Babylon Jerusalem eroberte und die Stadt in Schutt und Asche legte. In dieser Situation kündigt Jeremia den neuen Bund an.


Und der neue Bund ist tatsächlich gekommen:
Noch einmal sechs Jahrhunderte später saß Jesus Christus mit seinen Jüngern zu Tisch, ein letztes Abendessen, bevor man ihn verhaftete. Er teilte Brot und Wein mit ihnen: „Nehmet hin und trinket alles daraus: das ist mein Blut des Neuen Testamentes, dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“
An jenem Abend wussten und glaubten seine Jünger: Der neue Bund ist da. Gottes neuer Bund, von dem die Propheten geredet hatten. Wo Jesus ist, ist der neue Bund. Was ein Mensch wert ist, das kann man nicht an seinem Versetzungszeugnis ablesen, auch nicht an seiner Überstundentabelle und an dem verdienten Gehalt, oder an dem, was er besitzt, auch nicht daran, ob ein Mädchen schön genug ist für den Star aus der Parallelklasse oder ob einer noch laufen kann ohne Gehwagen und ohne Rollstuhl.
Bei Christus ist jeder kostbar, unabhängig von dem allen. Und immer wieder schickt Gott einen Menschen, der einen genau das spüren lässt. Du bist mir wichtig, egal ob du Funktionen berechnen oder Caesar übersetzen kannst oder nicht. Du bist mir kostbar, einfach weil du du bist. Mit Christus hat Gott sein Gesetz in unsere Herzen gegeben, so dass wir instinktiv wissen, was für unser Miteinander gut ist. Und Gott verspricht uns darüber hinaus, uns „unsere Missetat“ zu vergeben. Das verdanken wir Jesus Christus, der sein Blut für uns vergossen hat zur Vergebung der Sünden.
Wie Gott mit uns in Beziehung tritt und wie wir in die Beziehung zu Gott treten können, wie wir unseren Teil des Bundes mit Gott bekräftigen können, wie unser Verhältnis zu Gott gegenseitig wird, das alles wird spürbar im Abendmahl. Das Abendmahl ist die Feier des neuen Bundes. Da sitzen wir mit Jesus selber am Tisch. Da ist die Tür zum Himmel einen Spalt offen, und wir feiern zusammen mit den Engeln im Himmel und mit allen, die vor uns waren und nach uns kommen.
Beim Abendmahl sind wir alle gleich, trinken vom gleichen Kelch – der neue Bund in meinem Blut –, egal ob voller Energie oder ferienreif, ob mit Liebeskummer oder Mathe-Krise, egal ob angekommen im Leben oder noch auf der Suche. Und Gott nährt und heilt und stärkt und vergibt. Gott und Mensch. Zusammengebunden, was zusammengehört. Darum bitten wir von Herzen und rufen nach Gott ganz dringend: Gib, dass wir bald wieder gemeinsam Abendmahl feiern können! Amen.

 

Psalm 27
Der Herr ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist meines Lebens Kraft;
vor wem sollte mir grauen?
Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und antworte mir!
Mein Herz hält dir vor dein Wort:
„Ihr sollt mein Antlitz suchen.“
Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!
Denn du bist meine Hilfe;
verlass mich nicht
und tun die Hand nicht von mir ab,
du Gott meines Heils!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn
Und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang,
so auch jetzt und allezeit
Und in Ewigkeit. Amen

 

Fürbitten: Exaudi!
Lasst uns bitten um den Heiligen Geist,
durch den alles neu wird:
unser Herz und die Welt.
Lasst uns rufen: Komm, Heiliger Geist.    
Es gibt viel Traurigkeit in der Welt und
viele Menschen, die weinen:
Wir bitten um den Geist der Freude.
Wir rufen: Komm, Heiliger Geist.