Gedanken zum Sonntag 10.05.2020 Kantate

Kirchenmusik
Bildrechte: Maret Hosemann auf Pixabay

Den Sonntagsgedanken gibt es hier zum Download 

 

 

Halleluja! Lobet Gott in seinem Heiligtum,

lobet ihn in der Feste seiner Macht!

Lobet ihn für seine Taten,

lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!

Lobet ihn mit Posaunen,

lobet ihn mit Psalter und Harfen!

Lobet ihn mit Pauken und Reigen,

lobet ihn mit Saiten und Pfeifen!

Lobet ihn mit hellen Zimbeln,

lobet ihn mit klingenden Zimbeln!

Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!

 

Mag Gott Musik?

Ich kann es mir gar nicht anders vorstellen: Gott soll keine Musik mögen? Unvorstellbar! Warum sollte er so etwas Wundervolles schaffen – und es dann nicht mögen?

 

Nein – im Gegenteil:

Ich stelle mir eher vor, dass Gott voller Musik ist. Der Maler des Deckengewölbes der Kirche von Wennigsen, hat diese Himmelswelt plastisch werden lassen.

Eine himmlische Welt voller Musik und voller Klang.

Der Himmel hängt nicht nur voller Geigen – es ist ein ganzes Orchester.

Mit Instrumenten und mit Gesang:

„Alles, was atmet, lobe den Herrn! Halleluja!“ (Psalm 150).

 

Welche Musik mag Gott?

Mag er es eher flott und dynamisch oder leise und besinnlich? Steht er auf Klassik, Pop oder Rock, Blues oder Soul? Mag er Volksmusik? Ist er bei romantischen Liebesliedern auch zu Tränen gerührt? Tango oder Walzer?

 

Lebendige Bilder vom Musikliebhaber Gott. Menschlich und nah. So wie Christus, der uns aus dem Bild zuwinkt.

Gott liebt die Musik des Lebens. Und die Grundmelodie, die er in all seine Musikstücke einflicht, ist die der Liebe.

Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Joh 4,16)

Der Himmel wird zu einem Resonanzraum, erfüllt von der Musik der Liebe. Sie strömt aus dem Himmel zur Erde.

 

Hören Sie sie? …

Sie schütteln den Kopf? Nein?

Die Welt – mit oder ohne Corona – scheint nicht geschaffen für diese himmlische Musik. Zu bedrückend, zu laut und krachend die Musik unserer Welt.

Eberhard Jüngel hat von der Musik Gottes als „Zukunftsmusik“ gesprochen. Als Verheißung, die Mut macht und uns eine Richtung gibt, auf die wir unser Ohr richten sollten.

»Ich weiß, was ich für eine Zukunft für euch habe: eine Zukunft mit Frieden und nicht des Leides.« sagt Gott durch den Propheten Jeremia (Jer 29,11).

 

Wenn das die Zukunft ist, die Gott mit uns vorhat, dann nimmt sie heute schon ein wenig den Schrecken der Gegenwart.

Hören Sie´s?

  • Wie Gott an der Orgel sitzt und sich mit brausenden, gewaltigen Tönen freut, was er für eine unglaublich schöne Welt mitsamt uns Menschen er geschaffen hat.
  • Wie er die Piccolo-Flöte nimmt und mit den Vögeln im Konzert trillernd die Sonne am Morgen begrüßt.
  • Wie er wütend auf die Pauke haut, weil er mit ansehen muss, wie wir Menschen im Krieg alles sinnlos zerstören und morden.
  • Wie er mit uns auf der Klarinette den Soul oder den Blues bläst.
  • Wie er am Keyboard Lieder spielt, die den Rhythmus in unseren Körper tragen und uns tanzen lassen.
  • Wie er mit der Geige die Tränen derer klagt, die um einen Menschen oder eine vergangene Liebe trauern?
  • Und wie er in der Dunkelheit der Nacht die tiefen, warmen Töne der Tuba von unserer Sehnsucht nach dem Schein des Lichtes erzählen lässt?

Und darüber, alles in allem, wie er seiner Liebe zu uns eine Melodie gibt, die unser Leben trägt und mit Sinn füllt.

 

Glauben heißt, Gottes Melodie in uns aufzunehmen.

Darauf zu vertrauen, dass uns die Melodie der Liebe Gottes umströmt.

Um dann Gottes Melodie der Liebe aufzunehmen.

Mitzusingen.

Dann werden wir mit je unserem Lied zu Interpretinnen und Interpreten Gottes.

Dann klingt in unserem Leben die Stimme des großen Musikliebhabers.

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt deine Liebe, mein Gott.[1]

  • Glaubensbekenntnis:

Wir glauben an Gott,

Schöpfer von Klang und Musik,

von Schwingung und Rhythmus,

der summt und singt in allem, was lebt.

 

Wir glauben an Jesus Christus,

in dem Gott sein Lied für die Welt

neu angestimmt hat,

das Lied seiner Liebe;

der uns mit einstimmen lässt in Gottes Lied,

das vom Leben singt, von Tod und Auferstehung.

 

Wir glauben an den Heiligen Geist,

der Stummes zum Klingen bringt

und Starres in Schwingung versetzt;

der das Gehör schärft und uns hilft,

die richtigen Töne zu treffen,

Melodien des Lebens zu finden

und im Rhythmus der Liebe zu bleiben.

 

Wir glauben, dass Gott sein Lied weiter singt,

in dieser Gemeinde und in unsrer Welt.

Amen.

 

  • Fürbitten

Lebendiger Gott, unser Schöpfer, du bist der Komponist unseres Lebens. Lehre uns, das Leben zu singen als Loblied für dich, dass wir in all unseren Nöten deine Melodie des Lebens.

 

Lebendiger Gott, unser Erlöser, du hältst auch die schrägen Töne unseres Lebens aus, du erträgst die ganze Zerrissenheit unserer Welt.

In deine Hände legen wir, was für uns im Moment auseinanderfällt:

  • Die Blüten im Frühling – und die vielen Corona-Toten auf der Welt.
  • Das Zwitschern der Vögel – und die Einsamkeit der Alten in den Heimen.
  • Den wohltuenden Regen im Mai – und die Trauer über abgesagte Feste.

 

Lebendiger Gott, unser Tröster, wir leben davon, dass du unserer Seele den Klang deiner Schöpfung schickst, dass du den langen Atem der Hoffnung schenkst, damit wir nicht unter den Sorgen ersticken.

Gott, Deine Melodie vom Leben, von der Hoffnung, vom Mut und von der Liebe erklinge in uns, denn Du bist gegenwärtig. Amen